Ausschreibung

 

Schnell Kunst Tage 2022

„30 Jahre Lichtenhagen – und noch immer nichts gelernt?!“

Kurzbeschreibung:

Die „Schnell Kunst Tage“ verstehen sich als ein Ausstellungskonzept für Bildende Kunst, das in Kooperation zwischen dem Soziokulturellen Zentrum Parkclub und der Kunstgalerie Altes Rathaus entstand. Beide Einrichtungen werden durch die Kulturfabrik Fürstenwalde gGmbH getragen. Ziel der „Schnell Kunst Tage“ ist es, Bildende Kunst komprimiert zu präsentieren. Lediglich eine Woche steht dem Publikum die Ausstellung offen.

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Von Montag bis Freitag werden fünf Künstlerinnen und Künstler in Tageseinzelausstellungen gezeigt. Am Samstag und Sonntag werden alle fünf Ausstellenden in einer Gruppenausstellung vorgestellt. Das eher jüngere Zielpublikum des Parkclubs soll dabei mit älteren kunstinteressierten Gästen zusammentreffen.

Thema 2022:

In diesem Jahr feiert die Stadt Fürstenwalde ihre erste urkundliche Erwähnung, die sich zum 750. Male jährt. Mit der Ausschreibung der „Schnell Kunst Tage 2022“ wollen wir daran erinnern, dass aber nicht jedes Jubiläum Anlass zur Freude ist. Vor dreißig Jahren beispielsweise fanden in Rostock Lichtenhagen Ausschreitungen gegen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAst) und ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter*innen statt. Die Angriffe zwischen dem 22.08. und 26.08.1992 gelten als die verheerendsten rassisch und fremdenfeindlich motivierten Überfälle nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.  Mehrere hundert teilweise rechtsextreme Randalierende bewarfen das Rostocker „Sonnenblumenhaus“ mit Molotowcocktails und steckten das Gebäude, in dem noch über hundert Menschen festsaßen, in Brand. Während 3000 Zuschauer*innen applaudierten und die Rechtsextremisten anfeuerten, zogen sich die Einsatzkräfte der Polizei zeitweise zurück. Der Politik und den Medien wurden indes vorgeworfen, die politische Stimmung mit populistischen Kampagnen gegen Ausländer*innen angeheizt zu haben. Die Asyldebatte und die Zahl der Übergriffe auf Asylsuchende erreichten 1991/92 ihren Höhepunkt. Rostock Lichtenhagen war dabei kein Einzelfall. Auch bei uns in Brandenburg beispielsweise in Fürstenwalde, Frankfurt (Oder) und Eberswalde mehrten sich die rechtsextremen Gewaltdelikte. Häufigstes Ziel in Fürstenwalde war der Club im Park, wo sich eine linksgerichtete Jugendszene regelmäßig traf. Die Randalierer*innen überfielen den Club, jagten das Publikum durch die Stadt, zerschlugen Scheiben und warfen Autos um. Fürstenwalde entwickelte sich in dieser Zeit zu einem rechtradikalen Hotspot, der zirka 60-80 aktiv rechte Personen zählte. Während sich die Gewaltexzesse vordergründig gegen Punks und Menschen mit dunkler Hautfarbe richteten, zielten aber auch Angriffe auf weitere Feindbilder ab. 1993 misshandelten, folterten und töteten Fürstenwalder Neonazis den Obdachlosen Horst Hennersdorf. Die über fünf Stunden anhaltende Brutalität endete damit, dass auf das Opfer noch uriniert und Fäkalien verkippt wurden.[1]

Obwohl diese Übergriffe seit Anfang der 2000er Jahre weniger wurden, ebbten sie nie gänzlich ab.

Besorgniserregend sind auch heute wieder Tendenzen, die aufzeigen, dass rassistisch,  fremdenfeindlich, sexistisch und homophob motivierte Gewaltdelikte zunehmen. Laut dem Verfassungsschutzbericht aus dem Jahr 2019 stieg das rechtsextremistische Personenpotential auf 32.080 Personen an. Das ist ein Anstieg zum Vorjahr um rund 8000 Personen. Etwa 13.000 von ihnen werden als gewaltorientiert eingestuft. Die Gesamtzahl der Straftaten stieg um 9,7 % auf 21.290 Delikte an.[2]

Aber nicht nur die Zahlen sind bedenklich. Auch die Tatsache, dass rechte Ideen alltagsfähiger werden, ist besorgniserregend.  Aussagen, wie „ich bin ja kein Nazi, aber…“ oder auch eine dermaßen prägnante konträre, abwertende Haltung gegenüber alternativen Gedanken wird immer spürbarer. Umweltschutz und Gendern sind halt irgendwie doch nur „linke Spinnereien“. Bei diesem gesellschaftlichen Wandel drängt sich immer mehr die Frage auf, wo die Reise menschheitsgeschichtlich hingehen wird. Angesichts des aktuell wütenden russischen Angriffskrieges zeigen sich viele deutsche Bürgerinnen und Bürger sehr solidarisch mit den Geflüchteten aus der Ukraine. Dass diese Stimmung sehr schnell umschlagen kann, bewiesen nicht zuletzt auch die 1990er Jahre. In den damaligen Jugoslawienkriegen wurden Flüchtende aus Osteuropa anfänglich auch sehr empathisch aufgenommen. Kurze Zeit später entbrannten Gewaltdelikte, die sich gegen alle aus dem Ausland stammenden Personen richteten. 30 Jahre nach Rostock Lichtenhagen stellen wir also die Frage: „… noch immer nichts gelernt?“

Rahmen:

Die Künstlerinnen und Künstler sind aufgerufen, eine persönliche Sichtweise zu dem Thema zu entwickeln und zu präsentieren. An fünf Tagen werden Einzelausstellungen gezeigt. Am Samstag und Sonntag stellen wir alle Künstlerinnen und Künstler mit mindestens einem Werk aus. Alle Teilnehmenden erhalten so die Möglichkeit, ihr Schaffen komprimiert vorzustellen. Am Wochenende sollen schließlich die verschiedenen Positionen vergleichend ausgestellt werden.

Der Ausstellungsumbau und die Kuration werden von den Mitarbeitern der Kunstgalerie Altes Rathaus Fürstenwalde übernommen.

Ausschreibung

1.      Ausloberin ist die Kulturfabrik Fürstenwalde gGmbH, Bereich Soziokulturelles Zentrum Parkclub

2.      Titel / Thema der Ausstellung: „30 Jahre Rostock Lichtenhagen – und noch immer nichts gelernt?!“

3.      Ort: Parkclub Fürstenwalde, Fürstenwalde / Spree

4.      Dauer der Ausstellung: 10. Oktober – 16. Oktober 2022

5.      Teilnahmeberechtigt sind alle Bildenden Künstler*innen, unabhängig von ihrem Alter, ihrer religiösen Zugehörigkeit, ihrem Geschlecht und ihrer Herkunft

6.      Das Entstehungsjahr der einzureichenden Arbeiten sollte nicht vor 2000 liegen

7.      Die Ausschreibung bezieht sich auf folgende Techniken: Malerei, Fotografie, Grafik, Skulptur, Plastik. Die Größe von zweidimensionalen Werken sollte 120 x 150 cm, von dreidimensionalen Werken 120 x 120 x 120 cm nicht überschreiten

8.      Die Zahl der einzureichenden Arbeitsproben (als Fotografie) ist auf zehn Werke begrenzt

9.      Zur Jurierung sind einzureichen:

- Angaben zur Einreichung     

 - Vita                

 - Fotos der Arbeitsproben (möglichst 300 dpi)               

- kurze Angabe zur Intention                                            

10.  Bewerbungsende ist der 31. August 2022

11.  Einreichung der Bewerbung

1.      Email: galerie@kulturfabrik-fuerstenwalde.de

12.  Termin der Jurierung ist der 01. September 2022

13.  Die Jury setzt sich zusammen aus Vertretern der Kulturfabrik Fürstenwalde gGmbH. Gegen die Entscheidung der Jury besteht kein Einspruchsrecht.

14.  Termin der Bekanntgabe angenommener Werke ist der 02. September 2022

15.  Sofern eine Rücksendung der Bewerbungsunterlagen erfolgen soll, bitten wir um einen ausreichend frankierten Rückumschlag.

16.  Der Veranstalter ist berechtigt, zur Ausstellung angenommene Werke in Publikationen und Pressemitteilungen abzubilden.

17.  Die von der Jury ausgewählten Arbeiten müssen präsentationsfertig und bis zum 30. September 2022 angeliefert sein. (Terminabsprache notwendig, weil Entgegennahme bestätigt werden muss)

18.  Die von der Jury ausgewählten Arbeiten werden geliefert an: Kunstgalerie Altes Rathaus Fürstenwalde,

Am Markt 1, 15517 Fürstenwalde

19.  In die Ausstellung aufgenommene Werke müssen bis zum Schluss der Ausstellung dort verbleiben.

20.  Kaufinteressenten werden an Künstler*innen verwiesen, im Falle eines Verkaufs eines Kunstwerkes wird keine Provision erhoben.

21.  Abholung / Rückgabe der Arbeiten nach Ende der Ausstellung (Terminabsprache)

22.  Durch die Abgabe der Arbeiten erklären sich die Teilnehmer*innen mit o. g. Bedingungen einverstanden.

23.  Während der Ausstellung, der Hängung und der Abholung übernimmt der Veranstalter keine Haftung für Schäden, Verlust oder Diebstahl. Ein sorgsamer und professioneller Umgang wird zugesichert. Das Ausstellungsgebäude ist alarmgesichert.


[1] Vgl. Opferperspektive e.V.: Horst Hennersdorf, unter:  https://todesopfer-rechter-gewalt-in-brandenburg.de/horst-hennersdorf/ (aufgerufen am 05.05.2022),

vgl. Schröder, Burkhard: Im Griff der rechten Szene. Ostdeutsche Städte in Angst. Reinbeck bei Hamburg, 1997.

[2] Vgl. Bundesamt für Verfassungsschutz: Verfassungsschutzbericht 2019, unter: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/sicherheit/vsb-2019-gesamt.pdf?__blob=publicationFile&v=10 (aufgerufen am 05.05.2022)

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Aktuelle Ausstellung

Sonderausstellung
Holzschnittpleinair 2022
Künstler: Heike Burghardt, Mauga Houber-Hausherr, Sabine Nier, Ulf Püschel, Ehrhard Thoms

30.08. - 09.09.2022

Im Anschluss  wird eine Auswahl in der Dachetage der Kulturfabrik für weitere drei Monate zugänglich sein.

 

Holzschnitt Pleinair 2022

Im gesamten Jubiläumsjahr der Stadt dreht sich selbstredend nahezu alles irgendwie um Geschichte. Fürstenwalde war neben Handels-, Handwerker-, Bischofs- und Industriestadt auch eine Stadt des Waldes.

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Bereits im Namen wird deutlich, dass Fürstenwalde im 13. Jahrhundert nicht in irgendeiner Steppe, sondern direkt im Schutze des Waldes angelegt wurde. Neben dem Schutz, war der Wald aber in erster Linie ein Wirtschaftsfaktor. Aufgrund seines ausgedehnten Waldbesitzes war die Stadt einst eine der reichsten Städte Preußens und bereits der einstige Bürgermeister Jacob Lotichius besang im 17. Jahrhundert den schönen „städtischen“ Wald:

„An Fichten/ Biechen und an Ellern/ Bircken/ Eichen/ Seynd andre Staedte viel die dieser Stadt nicht gleichen:

Zum Brennen und zum Bau ist Holzes mehr als satt/ An Baeumen aller Art/ wie man sie noetig hat.“

Eine der Entwicklungsgrundlagen unserer Stadt war also der ausgedehnte Waldbesitz.

Im Rahmen des Künstlerpleinairs wollen wir uns diesem Rohstoff und seinem Nutzen nähern und erörtern, welche Rolle der Wald historisch für Fürstenwalde gespielt hat und welche Konsequenzen sich für die heutige Zeit ergeben. Anknüpfungspunkte könnten der Klimawandel, das globale Artensterben, geopolitische Ereignisse oder der Umgang mit natürlichen Ressourcen sein. Dem Thema entsprechend ist das Pleinair auf die druckgrafische Technik des Holzschnittes beschränkt und verweist gleichzeitig auf die lange Tradition der Vervielfältigungsmedien.

Teilnehmende Künstler:

Heike Burghardt, Mauga Houber-Hausherr, Sabine Nier, Ulf Püschel, Ehrhard Thoms

Die Ergebnisse werden in einer Sonderausstellung in der Kunstgalerie Altes Rathaus Fürstenwalde präsentiert.

30.08. - 09.09.2022

Im Anschluss  wird eine Auswahl in der Dachetage der Kulturfabrik für weitere drei Monate zugänglich sein.

Zum Pleinair erscheint ein Katalog. 

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Kommende Ausstellungen und Termine

 



10. Miniatur in der bildenden Kunst 2022
internationaler Kunstpreis der Stadt Fürstenwalde/Spree

04. Oktober 2022 – 16. Dezember 2022
Vernissage: 02.10.2022, 17.00 Uhr
Festsaal Altes Rathaus Fürstenwalde